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Aktuell am Remigianum

Rückblick auf den Austausch Borken - Assen

die letzte Austauschgruppe 2015 mit den Kollegen J. Weinholz und R. Winkels vor dem Martinitoren in GroningenAls im Frühjahr 2015 die letzte Schülergruppe unserer Schule nach Assen fuhr, lag es ziemlich genau 30 Jahre zurück, dass der Austausch des Remigianums mit der Christelijke Scholengemeenschap Assen seinen Anfang genommen hatte. Da lohnt ein Blick zurück, denn es ist nicht bekannt, dass landesweit ein weiterer Schüleraustausch existiert, der auf eine ähnlich lange Tradition zurückblicken kann.
Mitte der 80er Jahre, als die Schule von dem unerwartet verstorbenen Burkhard Sprenger geleitet wurde, hatte Willi Weyers, damals einziger Niederländischlehrer an unserer Schule, die Austauschbegegnungen mit seinem Assener Kollegen und Deutschlehrer Auko Knol ins Leben gerufen. Das zentrale Anliegen auf beiden Seiten bestand darin, den Lernenden den Kontakt mit muttersprachlichen Jugendlichen aus dem Land der jeweiligen Zielsprache zu ermöglichen.

Damit gingen auch wichtige interkulturelle Lernfortschritte einher, wenn die Schülerinnen und Schüler für zunächst je drei Tage in Gastfamilien untergebracht wurden. Dabei erhielten zuerst die Remigianer in der 2. Hälfte der Stufe 11 Besuch aus Assen, bevor die Borkener in der 12. Klasse (nach G 9 im vorletzten Schuljahr) zum Gegenbesuch antraten.
Da sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als einem Jahr Niederländisch lernten, war dies eine willkommene Gelegenheit, ihre Kenntnisse in der Praxis zu erproben. Anfang der 90er Jahre wurde der Austausch dann auf die Stufe 11 vorgezogen, was auch ein wenig im Interesse der Borkener zu sein schien, die in der Qualifikationsphase nicht so viel Unterricht versäumen wollten. Inzwischen hatte man sich darauf geeinigt, die Begegnungen auf je fünf Tage auszuweiten. Jetzt war allerdings zunehmend zu beobachten, dass die Remigianer in Gesprächen ins Englische auswichen, da sie das Niederländische noch nicht genug beherrschten.
In dieser Zeit war die Organisation auf Borkener Seite bereits in die Hände von Reiner Winkels und Joachim Weinholz übergegangen, denn Willi Weyers hatte 1991 einen Schulauslandsdienst in Helsinki angetreten.
Mitte der 90er Jahre gab es dann eine grundlegende konzeptionelle Änderung in den Begegnungen. Als wichtiger Bestandteil des Programms wurde eine themengebundene, produktorientierte Projektarbeit in gemischten Kleingruppen eingeführt. J. Weinholz und R. Winkels entwickelten ihren Neigungen entsprechend im Lauf der Jahre zahlreiche Musik- und Theaterpräsentationen zu Themen wie Konsum, Wasser, Geld, Identität, Jahreszeiten und Karneval. Ab 2006 ergänzte Frauke König, die häufig die Austausch-Zeitung und kulinarisch orientierte Projektgruppen betreute, die Niederländisch-Fachschaft. Hinzu kamen natürlich noch die Projektgruppen, die die häufig wechselnden Assener Lehrkräfte anboten. Hier wurden z.B. in den Bereichen Akrobatik, Tanz, Interview, Mode (aus Verpackungsmaterial), Kunst und Knetfiguren-Animation ansehnliche Präsentationen erarbeitet. Bei den Themen, die bei jeder Begegnung wechselten, wurde selbstverständlich auch der „Millenium"-Wechsel bedacht.
Zur Jahrtausendwende war die Assener Schule bereits dazu übergegangen, auch Schülerinnen und Schüler, die kein Deutsch lernten, am Austausch teilnehmen zu lassen. Und nachdem die Gründerväter Auko Knol und Henk Gaesbeek ihr Engagement beendet hatten, war nur noch in den seltensten Fällen eine Deutsch-Lehrkraft unter den betreuenden Kollegen zu finden. Das tat den herzlichen bis freundschaftlichen Kontakten zu Joachim Weinholz, Reiner Winkels und Frauke König, die auf Borkener Seite den Austausch in jahrzehntlanger Kontinuität betreuten, jedoch keinerlei Abbruch.
Allerdings litt die fremdsprachliche Orientierung des Austauschs und sie wurde auf Assener Seite noch einmal erheblich zurückgenommen, als der Borken-Austausch in das Internationalisierungskonzept der niederländischen Schule (Verkehrssprache: Englisch) eingebunden wurde. Zu diesem Konzept gehört, dass alle Schülerinnen und Schüler eines bestimmten Jahrganges an einem Austausch teilnehmen müssen. Dafür bezahlen sie einen gleichen Betrag in einen gemeinsamen Topf und können dafür im Gegenzug auf einer Prioritätenliste angeben, wohin sie am liebsten reisen wollen. Wenn nun unter den ca. zehn Zielen Städte in Spanien, Ungarn, Kroatien, Slowenien, usw. aufgeführt werden, kann man sich leicht ausmalen, wie gering die Vorliebe für Borken auf einer solchen Liste ausfällt. Die Schülergruppen, die die Assener für Borken meldeten, wurden kleiner und kleiner, und diese Schüler waren zuletzt zu diesem Austausch überredet worden, denn niemand hatte Borken auf den vorderen Plätzen angegeben. Als dann Assener Eltern die dortige Schulleitung aufsuchten, um sich darüber zu beschweren, dass ihre Kinder gegen ihren Willen für Borken eingeteilt worden waren, war das Maß voll. Der Austausch wurde von der Assener Seite, aber in beidseitigem Einvernehmen, für beendet erklärt.
Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass ausgerechnet ein Internationalisierungskonzept einem seit Jahrzehnten bestehenden, erfolgreichen Schüleraustausch den Todesstoß versetzte. Hinzu kommen Fragen, die für die Fachgruppe Niederländisch am Remigianum nach wie vor ungeklärt sind:
- Warum war es in Anbetracht der besonderen Rolle Deutschlands (wichtigster Handelspartner der Niederlande, zu wenig Niederländer lernen Deutsch) nicht möglich, den Borken-Austausch aus dem Internationalisierungskonzept herauszulösen?
- Was hält niederländische Deutschschüler davon ab, sich für einen Kontakt mit Muttersprachlern zu entscheiden, deren Sprache sie im Begriff sind zu lernen?
- Warum ist der erhebliche kulturelle und sprachliche Mehrwert solcher Kontakte auf niederländischer Seite den Schülern und Eltern nicht zu vermitteln?
- Wie ist es möglich, dass die gesamte Fachgruppe der Deutschlehrer an einer niederländischen Schule der Frage gleichgültig gegenüber steht, ob es einen Schüleraustausch mit Deutschland gibt oder nicht?
- Ist der Zugewinn an interkulturellem Verständnis nicht gerade dann am größten, wenn die anfängliche Skepsis der Begeisterung über interessante und persönliche Begegnungen Platz gemacht hat?
Denn es war keineswegs so, dass die Stimmung bei den letzten Zusammenkünften zwischen den Borkener und Assener Schülergruppen schlechter war als früher.
Dabei ließ es sich die letzte Besuchsgruppe in Assen wirklich gut gehen, denn nie zuvor hatten die Niederländer so viel Geld für einen Borken-Austausch in die Hand genommen wie jetzt. Da spielte vermutlich auch das schlechte Gewissen mit hinein, verbunden mit der Ahnung, dass mit dem Ende dieses Austausches etwas Wertvolles und Wichtiges verloren gegangen war.
Reiner Winkels

Partner des Gymnasium Remigianum

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