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Aktuell am Remigianum

Vortrag Eugen Drewermann

Historischer Besuch im Remigianum:
Meistgelesener Theologe Europas zu Gast – Eugen Drewermann10Feb16Drewer5  A

Einen einzigartigen, bewegenden Vormittag erlebten über 80 Schüler/innen der Q 1 sowie Lehrer/innen des Remigianums und auswärtige Gäste am Aschermittwoch,10. Februar 2016. Applaus brandete auf, als der weltbekannte Theologe, Schriftsteller und Psychotherapeut Eugen Drewermann aus Paderborn um 10.15h den Raum A 21 betrat.

Sehr herzlich wurde Herr Drewermann u.a. von unserer Schulleiterin Frau Nattefort sowie von Franziska Nieters begrüßt. Die gespannte Erwartung war mit Händen zu greifen, hatten sich doch die Schüler/innen zusammen mit ihren Religionslehrer/innen Frau Henze, Frau Schmidt-Bodenstein und Herrn Freytag intensiv auf dieses Ereignis vorbereitet. Besprochen und diskutiert wurden im vorherigen Unterricht z.B. einige Interview-Passagen Drewermanns, in denen er die Notwendigkeit von Religion erläuterte, Bibeltexte mit Hilfe seines tiefenpsychologischen exegetischen Ansatzes sowie Elemente seiner durchaus dramatischen persönlichen Biographie.
10Feb16Drewer2  ADrewermanns Konflikt mit der römisch-katholischen Amtskirche kulminierte in den Jahren 1991/92, als ihm der damalige Erzbischof von Paderborn, Johannes Joachim Degenhardt, nacheinander die kirchliche Lehrbefugnis und die Predigtbefugnis entzog und ihn zuletzt vom Priesteramt suspendierte. Auslöser war wohl entscheidend das Buch „Kleriker. Psychogramm eines Ideals" von 1988, in dem Drewermann schonungslos Hintergründe, Prägungen und Außenlenkungen des katholischen Klerus psychoanalytisch beschrieb und deutete und mit einer Anklage gegen die katholische Amtskirche verband, die z.B. ein zölibatäres Leben zu einem geradezu überirdischen und damit vielfach unlebbaren Ideal stilisierte.
Ein zweiter Konfliktpunkt war die tiefenpsychologische Bibelexegese, die über ein rein historisch-äußerliches Verständnis der Bibel hinweggeht hin zu den existenziellen Bildern und Symbolen, Mythen, Sagen und Legenden, die auf eminente Weise in die Tiefenschichten des Menschlichen reichen.
Die Kette der Suspendierungen geschah auf Geheiß und in enger Abstimmung mit dem Vatikan; federführend damals Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Glaubenskongregation und 2005 - 2013 Papst Benedikt XVI. Im Sommer 2005 trat Eugen Drewermann, der in 50 Jahren über 80 Bücher geschrieben hat, nach der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst aus der katholischen Kirche aus.


Gleich zu Beginn seines 60-minütigen Vortrags „Jesus von Nazareth als Befreiung zum Frieden und die Notwendigkeit von Religion" knüpfte Drewermann an die Lebenswirklichkeit der Schüler/innen an. Er skizzierte den Leistungs- und Erwartungsdruck, in dem man in unserer Kultur bereits von Kindesbeinen an steht und der auch das gegenwärtige und künftige Leben prägen wird. Dagegen rief er den Jugendlichen zu: „Ein Mensch ist stets zu betrachten als Wert in sich selber!" Genau an dieser Stelle, so Drewermann, kommt Religion ins Spiel. Einzig Religion nämlich mit ihrem Gottesgedanken und unter Leitung und 

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Begleitung der einzigartigen Figur des Jesus von Nazareth kann dem Menschen letztlich sagen, dass er mehr ist als ein Produkt der Natur und mehr als ein funktioneller Faktor zur Steigerung des Bruttosozialprodukts. Nur im Gegenüber einer Person, einer grundgütigen und barmherzigen Macht, die wir in unserer Sprache „Gott" nennen, kann ein Mensch frei werden, sich zu lösen aus den Fesseln der Angst, hin zu einer Freiheit, die ihn befähigt, sich und Andere zu sehen und anzunehmen, wie wir alle von Gott gedacht sind: ins Leben gerufen als voraussetzungslos und bedingungslos bejaht und gewollt und geliebt – einzig, weil wir Menschen sind.
10Feb16Drewer1  ADie entscheidende Frage eines Menschen lautet daher nach Drewermann: Was für ein Mensch bin ich und möchte ich sein? Nicht etwa: Was muss ich noch alles tun, welche Leistungen in Konkurrenz zu Anderen muss ich täglich erbringen, um etwas zu sein, etwas zu gelten, Ansehen zu haben, Karriere zu machen, Macht zu erlangen?
Daraus folgt nach Drewermann zwingend, dass ein Mensch, der einmal eine Abkehr von diesem Teufelskreis aus Angst, Leistungsdenken und ewigem Konkurrenzdruck vollzogen hat, zu einer ganz neuen Grundhaltung in seinem Leben findet, die da lautet: Güte, Barmherzigkeit, Verstehen.
Von da aus wendete sich Drewermann dem Problem des Bösen zu: „Dass es einen bösen Menschen gibt, das ist unmöglich." So schwer es auch falle, aber man müsse das Böse und die Gründe, die einen Menschen Böses tun lassen, so tief als möglich zu verstehen und wenn möglich zu heilen suchen. Das Böse, so Drewermann, ist im Letzten die Verlorenheit eines Menschen, der sich buchstäblich verloren hat im Kreislauf von Angst, Unverstanden-Sein, Aggression, Gewalt. Den Stab zu brechen über solche Menschen sei im Rahmen einer bloß formalen Ethik verständlich, helfe aber existenziell in keiner Weise weiter.
Von da aus sezierte Drewermann schonungslos und vor dem Hintergrund seiner bedingungslosen pazifistischen Einstellung den Krieg als die Geißel der Menschheit und die Verkörperung alles Bösen. So unpopulär es sei: Einseitige, bedingungslose Abrüstung sei seit jeher das Gebot der Stunde. Alle Maskeraden und Charaden der Macht müssten, gerade auch auf diesem Gebiet, ein für alle Mal enden. Gerade für Menschen, die von Gott kommen, so Drewermann, kann es niemals mehr Gewalt geben. Denn sie stehen, sofern sie Christen sind, in der Tradition dieses Jesus von Nazareth, dem Poeten und Therapeuten Gottes.
Im Anschluss stellte sich Eugen Drewermann den zahlreichen Fragen des gebannten Auditoriums, sei es zu seiner Meinung über Papst Franziskus, über Möglichkeiten und Konsequenzen einer existenziellen Friedensethik bis hin zu dem Interesse, wie er einen derartigen, ohne jedes Manuskript frei gehaltenen Vortrag vorbereite und angehe.
Dem Gesamtgefüge der katholischen Kirche hielt Drewermann einmal mehr schonungslos den Spiegel vor. Die doktrinäre, rein äußerliche Verwaltung von Religion, die in Wirklichkeit dem reinen Machterhalt der Institution diene, nicht aber den Bedürfnissen und der Not der Menschen, müsse am Ende zur Erosion und zum Zusammenbruch dieses Systems führen. Ein Mann in Rom allein wie Papst Franziskus, für den Drewermann im Übrigen große Sympathien hegt, könne dies nicht aufhalten, so lange er z.B. von den Theologen derart im Stich gelassen werde.
Erkannt zu haben, dass Religion fundamental zur Innerlichkeit des Menschen gehöre und nicht vermittelt werden müsse durch kirchenlehramtliche Instanzen, sei die große Tat des Protestantismus im Gefolge Martin Luthers und Sören Kierkegaards. Imponierend waren immer wieder auch Drewermanns Exkurse z.B. in die Weltliteratur, wenn er Impulse Schillers, Dostojewskis oder Steinbecks in eine überraschende Korrespondenz mit alt- und neutestamentlichen Geschichten brachte, oder in die Philosophiegeschichte, wenn er sich mit der Religionskritik Feuerbachs oder der Ethik Kants auseinandersetzte.
Die Erläuterung entscheidender Impressionen seiner Reisen nach Indien und Afghanistan bildeten die Brücke zum letzten Teil des Vormittags. Auch erzählte Drewermann Begegnungen aus seiner Praxis als Psychotherapeut und wie allein im Durcharbeiten diverser Pathogenesen der Seele von Menschen ein Durchbruch zu selbstbestimmtem, befreitem Leben gelingen könne.
10Feb16Drewer4  AZusammenfassend stellte Drewermann die Botschaft Jesu als eine primär therapeutische heraus: „Nichts anderes wollte Jesus, als dass er uns an die Hand nähme und uns an den Engeln mit dem Flammenschwert vorbei zurück ins verlorene Paradies führe." Und er betonte noch einmal die drei Grundelemente der Religion: die poetische, die therapeutische und die prophetische.
Der Vormittag endete in Stille mit einem Gedenken für die Opfer des schweren Zugunglücks in Bad Aibling sowie für alle Opfer täglicher Unglücke und Gewalt, besonders auch für die vielen Menschen auf der Flucht, die nahezu täglich im Mittelmeer ertrinken.
Im anschließenden kleinen Kreis äußerte sich Eugen Drewermann beeindruckt vom hochkonzentrierten inneren Mitvollzug seiner Gedanken und Invektiven durch die Schüler/innen und von der Qualität der Fragerunde. Zu unserer großen Freude bekundete er seine Bereitschaft, die Schule in absehbarer Zeit wieder zu besuchen.

Die Schulgemeinde des Gymnasiums Remigianum dankt Eugen Drewermann sehr herzlich und in Solidarität für seinen jahrzehntelangen Einsatz im Kampf um die Freiheit und die Würde des Menschen im Angesicht eines grundgütigen, barmherzigen Gottes und an der Hand des Jesus von Nazareth.

Martin Freytag

MINT-EC, Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen in Deutschland

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