Gastvortrag Theologe Norbert Arntz

Der Katakombenpakt, die Kirche der Armen und Papst Franziskus 

18Jan16Arntz5  AZwei ungewöhnliche und aufrüttelnde Religionsstunden
erlebten Schülerinnen und Schüler der Q2 am 18. Januar 2016.
Zu Gast war Norbert Arntz aus Kleve (72), Priester des Bistums Münster,
Sozialwissenschaftler, ausgewiesener Kenner der Theologie der Befreiung
und Autor zahlreicher Schriften vor allem zur Situation der Kirche
in Lateinamerika.
Anlass des Besuchs war der 50. Jahrestag des Katakombenpakts.

Am 16. November 1965, drei Wochen vor dem Ende des II. Vatikanischen Konzils,
hatten sich 40 Konzilsväter, vor allem auf Initiative von Dom Hélder Câmara,
des Bischofs von Recife (Brasilien), in den Domitilla-Katakomben in Rom
versammelt, dort einen Gottesdienst gefeiert und sich in einem
13-Punkte-Papier zu einem Leben in Bescheidenheit und an der Seite
der Armen unter Ablegung aller Ehrentitel und materiellen Besitzes verpflichtet.
18Jan16Arntz4  BFünfzig Jahre danach, im November 2015, fand in Rom eine mehrtägige Tagung statt,
auf der das Erbe des Katakombenpakts erinnert, erneuert und für die
Herausforderungen der heutigen Zeit aktualisiert werden sollte.
Besondere Gäste waren dabei z.B. der 92-jährige italienische Bischof Luigi Bettazzi,
letzter noch lebender Unterzeichner des Pakts, sowie Jon Sobrino, einer18Jan16Arntz1 B
der weltweit führenden Befreiungstheologen aus El Salvador und enger
Wegbegleiter der 1980 ermordeten Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero.
Als Mitinitiator und Teilnehmer dieser Tagung erzählte Norbert Arntz
lebendig und anschaulich von den Begegnungen, Erfahrungen und Erkenntnissen
dieser römischen Tage.
Besonders intensiv wurde die Atmosphäre dann auch, als Norbert Arntz von seiner
eigenen „weltkirchlichen Lehrzeit" im Hochland von Peru erzählte, vom Leben und Glauben,
den Leiden und den Freuden der Campesinos und ihrer Weise, die Bibel zu lesen und zu verstehen
und sich Gott und Jesus solidarisch und in der Hoffnung auf Befreiung anzunähern.
In dieser Zeit in Lateinamerika hatte Pfr. Arntz auch Jorge Mario Bergoglio, den jetzigen
Papst Franziskus, kennen gelernt.
Dann schlug Nobert Arntz den Bogen zum Pontifikat des jetzigen Papstes und schilderte
aus seiner Sicht die Faszination, die von den vielen symbolischen Handlungen des Papstes
ausgeht, der tut, was er sagt und lebt, was er predigt.
Von daher sieht Norbert Arntz Papst Franziskus mit seiner Option für die Kirche der Armen
im Erbe des Katakombenpakts verwurzelt, ohne dass dieser nun immer explizit darauf Bezug nähme.
Zum Schluss besprach Norbert Arntz mit der Gruppe Möglichkeiten und Verpflichtungen, die sich
aus dem Katakombenpakt ganz konkret bei uns und hier vor Ort ergeben.
Dass man dabei sehr schnell auf die tätige Solidarität mit den Flüchtlingen zu sprechen kam,
lag auf der Hand: „Das ist eine Lebensaufgabe für euch!", schärfte Arntz den Schüler/innen ein,
verbunden mit einem Blick auf die verheerenden Wirkungen eines entfesselten Kapitalmarkts,
vor dessen Kulisse jede Menschlichkeit und Solidarität mit den schwächsten Mitgliedern
der Weltgemeinschaft geopfert wird, oder, wie Papst Franziskus in „Evangelii gaudium" schreibt:
„Diese Wirtschaft tötet" (Nr. 53).
Entsprechend beeindruckt und herzlich verabschiedeten sich die Schüler/innen von Norbert Arntz,
der sowohl mit seiner mitreißenden Art zu erzählen wie mit seiner treffsicheren Analytik
ungerechter Strukturen Denkanstöße gegeben hat, die über den Tag hinaus wirken werden.

Martin Freytag

MINT-EC, Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Schulen in Deutschland

 

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