Prof. Dr. Thomas Sternberg am Remigianum

Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und damit der oberste Repräsentant der katholischen Laien in Deutschland, besuchte am 24.06.2019 das Gymnasium Remigianum.

Prof. Sternberg VertrauenIm Anschluss an die Begrüßung durch Clara Röcken folgten die katholischen Religionskurse der Q1 bei hochsommerlichen Temperaturen dem halbstündigen Blick von Prof. Sternberg auf die aktuelle Situation der Kirche in Deutschland und auch weltweit. Zu Beginn erzählte Sternberg von seinen frisch gewonnenen, belebenden Eindrücken, die er als Gast beim gerade beendeten Evangelischen Kirchentag in Dortmund mitnehmen durfte. Damit stellte er seine Überlegungen von vornherein in eine ökumenische Perspektive. Unter dem zentralen Stichwort des Vertrauens habe der Kirchentag gestanden. Und ohne Vertrauen, dass Kirche nach wie vor sinnvoll sei, gehe es für einen christlich orientierten Menschen wohl nicht, der noch etwas mit der Kirche zu tun haben wolle. Dieses Vertrauen speziell in die katholische Kirche sei gegenwärtig angesichts des Skandals sexuellen Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und auch Ordensfrauen leider in hohem Maße geschwunden, so Sternberg. An dieser Stelle seiner Ausführungen setzte sich Sternberg kritisch mit den bisherigen Strukturen der Ausbildung von Priestern und Ordensleuten auseinander. Notwendig sei psychologische Begleitung in der Ausbildung im Sinne von Prävention. Gerade für Kleriker und überhaupt für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiteten, sei es wichtig, „ein geklärtes Verhältnis zu ihrer Sexualität zu haben“, erklärte Sternberg. Den Opfern des Missbrauchs müsse ohne Wenn und Aber alle erdenkliche Hilfe gegeben werden. Überhaupt müsse sich Kirche wieder als Schutzraum für Schwache und Benachteiligte verstehen. Auf die spätere kritische Nachfrage einer Schülerin, den Zölibat betreffend, äußerte Sternberg die Erwartung, dass dieser im den nächsten Jahren „weiter aufgeweicht“ werde und besser nicht länger zwingend an das Priesteramt gekoppelt sein solle. Zudem gebe es ja auch bereits seit langer Zeit verheiratete Diakone in der Kirche. Zu problematisieren sei allerdings auch die medienwirksame Gleichung, dass der Zölibat hauptursächlich für den Missbrauch sei.

Vortrag Prof SternbergIn Teilen seines Vortrags, aber auch in der späteren Diskussion, griff Sternberg den zentralen Aspekt der Rolle der Frauen in der Kirche auf. Viele Bischöfe hätten durchaus das Anliegen und die Aktionen der Initiative „Maria 2.0“, ins Leben gerufen von engagierten, aber auch besorgten Gemeindechristinnen aus Münster, verstanden. Es bestehe kein Zweifel daran, dass für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Kirche noch Vieles zu tun sei. Ohne den Beitrag der Frauen zum christlichen Leben hätte es die Entstehung des Christentums so wohl nie gegeben und gäbe es auch heute kein gelingendes Gemeindeleben, so Sternberg. Nach Ansicht von Prof. Sternberg kann Kirche nur gelingen unter dem zentralen Vorzeichen des Christseins: der Suche nach und dem Glauben an Gott und Jesus Christus. Dieser Glaube entlastet von der ständigen Fixierung des Blicks auf das Versagen des Kirchen-Apparats und befreit zur so notwendigen Freiheit des persönlichen Tuns. Aus dem Glauben heraus habe die Kirche dringend notwendige Impulse für das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft anzubieten. Zum Beispiel, dass Menschsein am Ende nicht bestehe aus dem ewigen Kreislauf von Produzieren und Konsumieren, sondern in einer unhintergehbaren Würde als Geschöpf Gottes. In diesem Kontext verwies Prof. Sternberg auf die Theologie von Papst Franziskus und sein Apostolisches Schreiben „Evangelii Gaudium“, in welchem sich der Papst nachdrücklich mit den Tod bringenden Strukturen des Kapitalismus auseinandersetzt. Es sei klar, so Sternberg, dass die konfessionell verfasste Kirche der Zukunft erheblich kleiner werde. Die prognostizierten Zahlen seien da eindeutig, auch wenn im Münsterland und gerade auch im Kreis Borken die Situation im Vergleich zu anderen Regionen noch weit weniger dramatisch sei. Umso wichtiger sei die Vernetzung persönlich engagierter Christinnen und Christen. Und im Blick auf die Weltkirche sei es tröstlich, dass man überall, wo man eine Kirche betrete, zusammen Gottesdienst feiern könne im Glauben an Gott und Jesus Christus.

Im Anschluss an seine Ausführungen stellte sich Prof. Sternberg den weiterführenden und kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler, die gut vorbereitet in die Begegnung mit dem ZdK-Präsidenten gekommen waren. Gut vorstrukturiert wurde die Diskussion moderiert von Hanne Michels und Johanna Schwering.

Damit gingen zwei intensive Stunden zu Ende, die zum kritischen Weiterdenken und zu engagierter Mitarbeit in der Kirche einluden – trotz allem und jetzt erst recht! 

Herzlichen Dank an Prof. Dr. Thomas Sternberg!

Martin Freytag

Medienscouts

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