Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

GruppenfotoVom 23.06.2019 bis zum 29.06.2019 haben wir uns mit einer Gruppe von 36 Schülerinnen und Schülern der EP auf eine Reise nach Polen begeben, um die beiden Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau zu besuchen. Frau Pöpping und Herr Terliesner, die diese Fahrt bereits zum wiederholten Male leiteten, hatten uns zuvor in einer nachmittäglichen AG inhaltlich und emotional auf diese Fahrt vorbereitet.

Im Folgenden möchte ich die Reise reflektieren und meine persönlichen Eindrücke zu dem Besuch der Konzentrationslager schildern.

Am ersten Tag, nach einer langen Busfahrt von Borken nach Oświęcim, besuchten wir zunächst das Stammlager I Auschwitz. Dort führten uns zwei deutschsprachige Guides durch das gesamte Lager. Zuerst mussten wir durch das bekannte Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ gehen und das war der Moment, in dem ich erstmals ein bedrückendes Gefühl spürte, denn ich realisierte, dass ich mich gerade wirklich an dem Ort befand, an dem früher tausende Menschen Leid ertragen mussten. Von der insgesamt vierstündigen Besichtigung blieben mir vor allem die Zellen im sogenannten „Todesbunker“ in Erinnerung. Das Bild von den eng gebauten und dunklen Zellen ist immer noch in meinem Kopf. Die Vorstellung, dass hier Menschen wie wir leben mussten, ist kaum erträglich. Mehrere Menschen mussten sich diese kleinen und grausamen Zellen für mehrere Tage teilen. Es ist und bleibt einfach nur eine grauenhafte Vorstellung, denn all das, was wir dort gesehen haben, entsprach wirklich einmal der Realität, und ich begreife bis heute nicht, wie so etwas möglich sein konnte. Was müssen das für Menschen gewesen sein, die so etwas zugelassen haben?

Schlafbaracke in Auschwitz BirkenauAuch der zweite Tag im Stammlager II Auschwitz-Birkenau erweckte lauter Emotionen in mir. Ich bekam eine Vorstellung von dem Ausmaß der Vernichtung und dies war für mich eine der schrecklichsten Erfahrungen, die man sich vorstellen kann. Das Stammlager I ist im Vergleich zu Auschwitz-Birkenau eher klein, denn das KZ in Auschwitz-Birkenau zählt als größtes deutsches Vernichtungslager aus der Zeit des Nationalsozialismus. Die Besichtigung der Baracken von innen war für mich erschreckend; wieder einmal versuchte ich mir vorzustellen, dass in einer Schlafbaracke 700 bis1000 Menschen zwangsweise zusammen leben mussten - wobei: Kann man hier überhaupt noch von Leben sprechen? Die Menschen dort hatten keinerlei Privatsphäre, keinerlei Ruhe, denn selbst ihr „Schlafplatz“ bestand nur aus einem Holzgestell und war nicht einmal 30 cm breit. Das war der Moment, in dem ich voll Trauer dastand und feststellte, wie gut es uns heute eigentlich geht. Wir haben alles und sind trotzdem oftmals nicht zufrieden, und die Menschen in diesen Lagern hatten nichts; ihnen blieb nicht einmal die Hoffnung auf ein besseres Leben, da sie zumeist wussten, dass sie sterben werden. Ist das nicht ungerecht? Wieso musste das alles so passieren? Wer hat das Recht, einem Menschen seine Freiheit zu rauben, und sollten wir nicht alle einmal ein wenig über unsere Sichtweise nachdenken und schätzen, dass wir leben dürfen?

 

Schlafbaracke in Auschwitz-BirkenauDie Menschen mussten dort Tag für Tag um ihr Leben kämpfen und dennoch war es letztendlich aussichtslos. Die zwei zusammengeschlossenen Blöcke verdeutlichen das: Hier mussten die Menschen warten, warten auf ihren Tod, und kaum welche konnten diesem grauenvollen Ort entfliehen.

 

Als ich dachte, es kann nicht noch grauenhafter werden, liefen wir zu den Gaskammern und den Krematorien. Es war kein normaler Weg, denn wir liefen den exakten Weg ab, den die Juden damals gehen mussten, nachdem sie oft nach tagelangen Reisen in Viehwaggons ankamen. Ich versuchte, mich in die Situation der Menschen hineinzuversetzen, doch es gelang mir einfach nicht. Ich empfand zwar ein Gefühl von Schmerz und Trauer, aber dies war keinesfalls vergleichbar mit dem Schmerz der Menschen, die all das aushalten mussten. Es ist auch nicht vergleichbar mit der Trauer, die sie ertragen mussten, wenn die sogenannte „Selektion“ stattfand und sie sich von ihren Geliebten trennen mussten. Nichts, absolut gar nichts können wir tatsächlich nachempfinden. Für uns bleibt alles unvorstellbar, aber es ist wirklich passiert. Menschen sind fähig zu morden und andere Menschen zu quälen. Wir leben hier in einem Umfeld, in dem wir davon Gott sei Dank nicht so viel spüren, aber auch in unserer Welt gibt es Hass und Krieg.

In den Gaskammern und Krematorien, zerbrach für mich eine Welt. Hier, genau an diesem Ort, an dem wir standen, starben Millionen von Menschen, und das auch noch für sie erstmals völlig unerwartet. Nach der Ankunft mit dem Zug wussten die Menschen nicht, was sie erwartet, und sie dachten, dass sie gleich duschen würden, doch in Wirklichkeit wartete der Tod dort auf sie. Ihnen wurde also einfach von einem auf den anderen Moment ihr Leben genommen, einfach so. Ihnen blieb nicht einmal die Möglichkeit, sich zu verabschieden! Ein Gedanke, der mich in Schrecken versetzt. All das viele Leid der Menschen löste in mir eine Leere aus.

Rückblickend möchte ich festhalten, dass die Besichtigung des Lagers sehr herausfordernd war, da man nicht wusste, wie man mit seinen Gefühlen umgehen sollte. Gehört hatten wir davon - sei es im Geschichtsunterricht oder während der vorbereitenden AG - doch das Betrachten mit eigenen Augen ist definitiv etwas anderes. Es ermöglicht ein besseres Verständnis, das einen in seinem weiteren Leben beeinflussen wird, und deshalb kann ich diese Gedenkstättenfahrt wirklich jedem ans Herzen legen. Dieser absolut grausame, aber dennoch wichtige Zeitabschnitt der deutschen Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten, denn nur so können wir verhindern, dass es sich wiederholt!


Celine Zeidan

Medienscouts

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